Emily Laing

Emily Laing studiert Jura in Hamburg. 2012/13 hat sie mit kulturweit und dem Goethe-Institut 12 Monate in Argentinien verbracht.

Salto Capioví Emily während ihres FSJ in Argentinien Emily heute

Nach einem Auslandsjahr in den USA, wollte ich noch einmal in die große weite Welt, am besten Südamerika und so bewarb ich mich bei kulturweit. Ich landetet auf der Warteliste. Argentinien hatte ich gar nicht auf dem Schirm und als ich den Platz mit GI-PASCH in Argentinien bekam, hatte ich eigentlich schon geistig wieder damit abgeschlossen. Nun gut, so schwer würde es schon nicht werden und so packte ich nach dem Abi 2012 meine Koffer und los ging‘s: Für zwölf Monate in ein Land, von dem ich nichts wusste und dessen Sprache ich nicht sprach.

Wenig überraschend (ich war trotzdem überrascht) folgte der Kulturschock auf dem Fuß. Argentinisches Dorf hieß in meinem Fall der Ort Capioví - Prov. de Misiones/Puerto Rico: es gab nicht viel zu tun und nacheinem zehn minütigen Spaziergang war ich auf der anderen Seite. Das Leben war langsamer und manchmal kam der Bus, manchmal nicht. Ich entschied mich nach zwei Monaten aus meiner Untermiete aus - und in die nächstgrößere Stadt  mit immerhin 15.000 Einwohnern zu ziehen. Da wohnte ich plötzlich alleine, ohne Internet und ohne Waschmaschine und gerade 19 Jahre alt. Ich richtete mich mit der Zeit dennoch ein und unternahm viele Reisen, selten weit weg, häufig am Wochenende in der Region, die so grün und voller Wasserfälle ist. Ich fand nach den Sommerferien auch einen Chor, der mich aufnahm wie eine Familie.

Das Schulleben zeigte mir trotz aller Freuden noch einmal, dass meine Passion nicht darin liegt. Vor dem Jahr in Argentinien wusste ich nicht, was ich studieren würde und entschied mich nach stundenlangen Internetrecherchen im Tankstellencafé meiner Wahl dafür, Jura zu studieren. Eine interessante Wahl, wenn man meine Auslandserfahrungen bis dahin betrachtet: Obwohl Jura sehr national geprägt ist, war die Entscheidung für mich dennoch richtig. Während viele der Erstsemester um mich herum in den ersten Wochen aufgeregt durch die Gegend rannten, war ich die Ruhe selbst. Ich hatte es im Ausland oft sehr schwer gefunden und doch am Ende alle Schwierigkeiten überwinden und mich einleben können. Ich strotzte folglich vor Selbstbewusstsein und hatte das Gefühl, ich könnte alles schaffen.

Heute ist das Gefühl, ich könnte alles schaffen, ein wenig verflogen, doch viele Dinge bleiben. Ich weiß durch mein kulturweit-Jahr gut, wozu ich in der Lage bin (und wozu nicht) und habe mich sehr gut kennengelernt. Diese Kraft trägt mich noch heute durch das doch häufig (mental) anstrengende Studium. Aus Prinzip renne ich auch jetzt nicht Bussen oder Bahnen hinterher und Club Mate ist direkt nach dem Auslandsjahr mein Lieblingsgetränk geworden. Obwohl es ganz anders schmeckt als der richtige Mate ist es ein Überbleibsel jener Zeit. Ich mache viel politische Arbeit, vor allem feministische, aber kulturweit hat mich gerade in meinem Blick auf kolonialistische Debatten geschärft und gebildet.

Wohin es mich in Zukunft treibt, weiß ich noch nicht genau, aber vermutlich in keinen der klassischen juristischen Berufe und auch die Bildungsarbeit (ohne Schulkontext) ist noch nicht vom Tisch. Durch kulturweit weiß ich, wie wichtig auch die kleinen Veränderungen im Alltag und im Denken sind und diese versuche ich durch meine Arbeit zu bewirken.