Lukas

freiwilliger in Duschanbe, Tadschikistan

#SuchdasWeite mit Lukas

Als er von seinem Einsatzland erfährt, muss er erstmal grinsen, und dann googeln. "Tadschikistan" – das klingt fremd und weit, weit weg. Sechs Monate unterstütze Lukas dort den Deutschunterricht an einer Schule in der Hauptstadt Duschanbe. Zwischen Plov, Prunk und tadschikischer Melancholie entdeckt er ein Land voller Brüche und Widersprüche – und voll von herzlicher Gastfreundschaft.

Da steht also dieser Mann mit der Kalaschnikow. Er schaut finster, nimmt die Pässe an sich und verschwindet in seinem Holzhäuschen. Der Checkpoint mit Schlagbaum steht irgendwo im Nirgendwo in den Weiten der südtadschikischen Steppe, vor den Ausläufern des Pamir, zig Kilometer ging es über staubige Pisten. Hinter den Bergkuppen liegt Afghanistan, dann Pakistan, die Kaschmir-Region. Lukas ist nervös. Ob er Russisch spricht, hatte der Mann noch gefragt und Lukas hatte ein paar einzelne Brocken Tadschikisch geantwortet. Dann steht der Mann wieder vor dem Wagen und reckt ihm mit der einen Hand den Pass entgegen. Mit der anderen reicht er ihm eine fast kürbisgroße Wassermelone durch das Fenster in den Wagen. “Welcome to Tadjikistan”, sagt er, dann wird der Schlagbaum gehoben.

Wenn Lukas die Story mit der Melone erzählt, fallen ihm wieder all die Kontraste ein. Diese Schroffheit des Ostens und die Wärme, die man erst entdeckt, wenn man dahinter blickt. Schon Duschanbe, die Hauptstadt des Landes, war ihm ziemlich fremd. Als er 2015 dort ankam, um sechs Monate den Kindern an einer Schule deutsche Sprache und Kultur zu vermitteln, traf ihn der Kulturschock wie ein Schlag ins Gesicht.

Als Lukas 2015 dort ankam, um sechs Monate den Kindern an einer Schule deutsche Sprache und Kultur zu vermitteln, traf ihn der Kulturschock wie ein Schlag ins Gesicht.

“Ich war kurz davor in Südamerika, der Unterschied war heftig”, erzählt Lukas. Das Leben in Duschanbe sei vor allem viel langsamer, nicht so lebhaft, wie er es gewohnt war, die Menschen wirken distanzierter: “Einmal wollte ich eine Bekannte zur Begrüßung auf offener Straße umarmen. Durch Ihren Gesichtsausdruck habe ich gerade noch bemerkt, dass Körperkontakt zwischen Männern und Frauen in der sehr konservativen tadschikischen Kultur tabu ist”, erzählt er von kleinen Missverständnissen.

Aber auch sonst seien viele Dinge ungewohnt, erklärt er und meint damit vor allem die kulturellen, politischen und sozialen Unterschiede, die ihm jeden Tag aufs Neue begleiteten. “In Duschanbe stehen viele Repräsentationsbauten - der größte Präsidentenpalast Zentralasiens und ein riesiges, sich im Bau befindendes Konzerthaus, – in den anderen fünf Konzerthäusern in Duschanbe fehlt allerdings regelmäßig das einheimische Publikum.” Das allerdings stehe im Kontrast zu den sozialen Problemen des Landes, etwa zur in vielen Teilen vorherrschenden Arbeitslosigkeit.

Auf die Frage, was er an Tadschikistan vermissen wird, kann er nicht unmittelbar antworten. Zu den Kindern in der Schule habe er ein besonderes Verhältnis aufgebaut. “Es ist einfach etwas Anderes, wenn dir ein junger Mensch die Sprache und Kultur näher bringt”. Ein paar Schülern hat er sogar Kontakte für ein Praktikum in Deutschland organisiert. Zu einigen hält er immer noch Kontakt über Social Media. Neben Graffiti-Sessions mit den Schulkindern vermisst er schon jetzt die Vielfältigkeit der Landschaften – und das nur ein halbe Stunde Autofahrt entfernte Hochgebirge zum Wandern, Mountainbiken und Picknicken. Oder die Vielfalt der Kulturen Zentralasiens, die sich in den bunten Kleidern der Tadschikinnen spiegelt.

Ausserdem: Plov. Der Plov, das ist das tadschikische Nationalgericht aus Reis, Öl und vor allem viel Fleisch. In Duschanbe wird er an allen Ecken serviert, in Deutschland suchte ihn Lukas aber bis jetzt vergeblich.

Lukas will in Zukunft noch besser verstehen, wie sich Länder und Gesellschaften wandeln und hat nach seinem Freiwilligendienst mit kulturweit ein Studium der Politikwissenschaften und Friedensforschung in Marburg begonnen.

Aber auch sonst seien viele Dinge ungewohnt, erklärt er und meint damit vor allem die kulturellen, politischen und sozialen Unterschiede, die ihm jeden Tag aufs Neue begleiteten.

Lukas will in Zukunft noch besser verstehen, wie sich Länder und Gesellschaften wandeln und hat nach seinem Freiwilligendienst mit kulturweit ein Studium der Politikwissenschaften und Friedensforschung in Marburg begonnen.