Lernen im Industrieerbe

Welterbe-Teamer*innen erleben die Zeche Zollverein in Essen

Zeche Zollverein

Die Welterbestätte "Industriekomplex Zeche Zollverein", die Globale Strategie und die Verfahren für die Einschreibung in die Welterbeliste sowie für das Monitoring – dies alles beschäftigte die Welterbe-Teamer*innen an ihrem zweiten Seminarwochenende. Die Weiterbildung ist eine Kooperation von kulturweit und dem Fachbereich Welterbe der Deutschen UNESCO-Kommission und richtet sich an ehemalige kulturweit-Freiwillige.

Vom 20. bis 22. Januar 2017 fand das zweite von drei Grundlagenseminaren an deutschen Welterbestätten statt. Aufbauend auf das während des Auftaktseminars in Bamberg Erlernte zu Grundlagen des Welterbegedankens und der Welterbevermittlung konnten die Teilnehmenden ihr Wissen rund um das Welterbe bei einem Besuch der Zeche Zollverein in Essen vertiefen. Im Mittelpunkt des Seminars standen außerdem die Globale Strategie der UNESCO für eine repräsentative, ausgewogene und glaubwürdige Welterbeliste und die damit zusammenhängenden Herausforderungen.

Ausgewogenheit der Welterbeliste

Wer über Welterbe nachdenkt und redet, muss sich auch mit kritischen Fragen auseinandersetzen: Wird die UNESCO-Welterbeliste dem in der Konvention von 1972 verankerten Anspruch gerecht, das Kultur- und Naturerbe der Welt in all seinen Ausprägungen zu repräsentieren? Worin gründet die ungleiche Verteilung von Welterbestätten weltweit und was tut die internationale Gemeinschaft, um diesem Ungleichgewicht entgegenzuwirken? Wie erfolgreich wurde die Globale Strategie als Antwort auf diese Herausforderungen bisher umgesetzt? Mit diesen und weiteren Themen haben sich die Teilnehmenden im Verlauf des Seminars befasst. Ziel war die kritische Reflexion der tieferliegenden Gründe für die fehlende Ausgewogenheit der Welterbeliste und die Diskussion möglicher Lösungsansätze.

Darüber hinaus haben sich die Teilnehmenden mit den Monitoringprozessen für Welterbestätten und dem Nominierungsverfahren beschäftigt. Im Gespräch mit Dr. Birgitta Ringbeck, Beauftragte der Länder für kulturelles Welterbe in Deutschland, gewannen die Teilnehmenden Einblicke in den Prozess der Nominierung und die Kriterien für die Anerkennung als UNESCO-Welterbe am Beispiel des Industriekomplexes Zeche Zollverein. Bei der Besichtigung der Welterbestätte konnten sie außerdem ein Gefühl für die enormen Umwandlungsprozesse auf dem Zechengelände und die kulturelle Bedeutung der Zeche für das Ruhrgebiet entwickeln. 2001 hat die UNESCO die Zeche Zollverein als zweite industrielle Stätte in Deutschland zum Welterbe erklärt – zu einem Zeitpunkt als industrielles Erbe als Lücke auf der Welterbeliste identifiziert worden war.

 

Welterbe-Weiterbildung in der Zeche Zollverein

Industrieerbe von außergewöhnlichem universellen Wert

Das Welterbe "Industriekomplex Zeche Zollverein" umfasst die Anlagen des Schachtes XII, einst die größte Steinkohleförderanlage der Welt, und die zugehörige Kokerei. Ausgezeichnet als außergewöhnliches Beispiel für die Anwendung von Designgrundsätzen der Modernen Schule im industriellen Kontext, besticht das Gebäudeensemble der Zeche durch seine klaren Linien, seine Sichtachsen und das futuristisch anmutende Gesamtbild. Zugleich ist die Welterbestätte mit ihren technischen Anlagen Ausdruck eines entscheidenden Entwicklungsschrittes im Zeitalter der traditionellen Schwerindustrien in Europa.

Noch heute können die alten Anlagen teilweise im Originalzustand besichtigt werden. Darüber hinaus wurden Teile des Areals im Zuge von Umnutzungsprozessen für Kultur- und Bildungseinrichtungen wie das Ruhrmuseum geöffnet. Verantwortlich für das Gesamtmanagement der Stätte vor Ort ist die Stiftung Zollverein, welche nach Beendigung des Steinkohleabbaus an der Stätte gegründet wurde.