2018

PAD/ZfA
Albanien

Wenn ich eins gelernt habe, dann ist es spontan zu sein

Dass sie in Albanien ein Zuhause finden würde, hätte Kim am Anfang ihres sechsmonatigen Freiwilligendienstes nicht gedacht. Am Ende wäre sie am liebsten geblieben.

Ich konnte meine Augen kaum noch offen halten, aber an was ich mich noch erinnern kann, sind die zahlreichen Tankstellen, Autohäuser und Cafés, die ich im Vorbeifahren gesehen habe.
So kam ich in Tirana an. Aufgeregt, unsicher und gespannt.

Unwissend darüber, dass ich bald eine dieser Personen sein werde, die ihre Nachmittage in einem der vielen Cafés verbringt. Eine Person, die sonntags morgens um halb zehn gefragt wird, ob sie um zehn Uhr ans Meer fahren möchte, um einen Kaffee zu trinken. Eine der Personen, die sich in einer zehn-minütigen Pause zwischen zwei Prüfungen mit dem Kollegium ins Café setzt. Eine der Personen, die im Bus interessiert von ihrer Sitznachbarin angesprochen und in ein Gespräch auf Albanisch verwickelt wird.

Meine Heimat 2000 km von Zuhause

Die nächsten Tage, Wochen und Monate sollten etwas ganz besonderes werden, mich immer wieder überraschen und mich für immer an Albanien binden. Bis ich am Ende am liebsten bleiben würde. Da bin ich jetzt angekommen. Am Ende meiner Zeit in diesem wunderschönen Land. Ich kann die letzten Monate weder zusammenfassen, noch in Worten ausdrücken, was ich alles erlebt habe. Zu viel habe ich gesehen, gelernt, gemacht und genossen.

Es kommt mir ewig her vor, dass ich den Gemüsehändler bezahlt habe, ohne zu verstehen, wie viel ich bezahlen muss. Der erste Tag in der Schule ist in weite Ferne gerückt, verdrängt von all den anderen Tagen, den verschiedenen Aufgaben, der Fürsorge der Kollegen und den zahlreichen Kaffeepausen. 14 verschiedene Städte habe ich besucht. Mal für ein oder zwei Tage, mal für eine längere Zeit. Mal ganz spontan, mal geplant.
Jede dieser Städte hat mich fasziniert, auf ihre ganz eigene Art. Seien es die Sehenswürdigkeiten, das Ausgehviertel, das Meer oder die Berge – jede Stadt hat etwas anderes zu bieten.

Nur die albanische Freundlichkeit und Gastfreundschaft ist mir immer wieder begegnet und ist gleichzeitig einmalig. Es wurde für mich im ganzen Bus nach einer Person gesucht, die Englisch spricht, ich wurde zu meiner Unterkunft gebracht, zu netten Gesprächen eingeladen und es war mir selten erlaubt meinen Kaffee oder mein Essen selbst zu bezahlen.

Weiter Blick über die Landschaft Albaniens Blick auf Plattenbauten

Während ich mich am Anfang noch mit Händen und Füßen verständigen musste, hat mein Sprachkurs den Alltag enorm erleichtert. Mein Gemüsehändler kannte mich schnell und hat mir den Preis immer aufgeschrieben, bis ich irgendwann ein einfaches Gespräch mit ihm führen konnte. Eine Herausforderung, die mir, bevor ich her kam, gar nicht so bewusst war.

Mit der Zeit wurde ich immer öfter verwirrt gefragt, ob ich Albanerin wäre, da ich ja Albanisch spreche und später, warum ich denn aus Deutschland nach Albanien käme. Nur wenige haben wirklich verstanden, was ich hier mache. Aber immer wieder lächelte mein Gegenüber, sobald ich Deutschland erwähnte, und nannte entweder einen deutschen Fußballverein, eine deutsche Stadt oder erzählte mir von einem Verwandten, der in Deutschland lebt.

Tirana überrascht mich immer wieder

Sommer in Tirana – eine Zeit, in der plötzlich alle auf den Straßen sind. Bis es zu heiß wird und alle ans Meer fliehen. Nur zum abendlichen Spaziergang sind jetzt, Ende August, noch viele Menschen unterwegs. Oder aber, wenn wieder einmal eine Veranstaltung auf dem zentralen Platz der Stadt oder im Park stattfindet. Seit Mai gibt es regelmäßig Konzerte, Public Viewing und Installationen in der Stadt. Veranstaltungen, die Tirana für mich sehr lebenswert machen.

Wer hätte schon gedacht, dass ich hier ein kostenloses Konzert von Rita Ora besuchen würde? Auch wenn einige Erfahrungen nervenaufreibend und kurzzeitig überfordernd waren, bin ich doch froh um alles, was ich erlebt habe, denn all das hat mich einiges lernen lassen und diese sechs Monate zu einem einzigartigen Erlebnis gemacht.