Daniel Fantaye

kulturweit-Freiwilliger am Goethe-Institut Madrid

Portrait-Foto von Daniel Fantaye

3 Fragen zum Freiwilligendienst

Daniel Fantaye ist seit September 2021 kulturweit-Freiwilliger am Goethe-Institut Madrid. Seine Sehbeeinträchtigung macht das Auslandsjahr zu einer besonderen Erfahrung. Vor welchen Herausforderungen er dabei steht und wie ein Freiwilligendienst auch mit Handicap gut gelingen kann, erzählt er im Interview.

Daniel bei der Arbeit im Goethe-Institut

1
Warum hast du dich für kulturweit beworben und vor welchen Herausforderungen standest du dabei?

Nach meiner Ausbildung zum Kaufmann für Dialogmarketing an der Nikolauspflege Stuttgart, einer Stiftung für blinde und sehbehinderte Menschen, habe ich mir Gedanken über meine weitere Zukunft gemacht. Ich hatte mir eigentlich überlegt, eine Zeit lang nach Äthiopien zu gehen und dort Einrichtungen für Blinde und Sehbehinderte zu unterstützen. Meine Eltern kommen aus Äthiopien und auch deshalb hat mich dieses Land besonders interessiert. Ich habe bereits während meiner Ausbildung viele Erfahrungen mit den Herausforderungen für Menschen mit Sehbeeinträchtigung und ihrem Umgang damit machen können und wollte mein Wissen teilen.

Ich spiele außerdem seit über drei Jahren Blindenfußball beim MTV Stuttgart und hatte die Idee, das auch dort machen zu können. Nach Recherchen bin ich auf kulturweit gestoßen. Durch Corona hat sich aber ergeben, dass Äthiopien als Einsatzland nicht mehr in Frage kommt, da kulturweit während der Pandemie nur ins europäische Ausland versendet.

Ich habe dann eine Zusage für das Goethe-Institut in Madrid erhalten. Da musste ich mich erstmal umorientieren und stand vor der Frage: Was kann ich jetzt schon machen, um mir den Aufenthalt dort so angenehm wie möglich zu gestalten? Welche Voraussetzungen müssen für mich als Mensch mit Sehbeeinträchtigung gegeben sein? Was geht für mich, was nicht? Damit habe ich mich schon im Vorfeld intensiv beschäftigt. Außerdem stand ich schon seit Beginn meiner Vorbereitung in engem Kontakt mit meiner Ansprechperson am Goethe-Institut und mit kulturweit und habe meine Bedarfe sehr klar kommuniziert. Dabei sind kulturweit und ich auch von bezev, dem Verein für Behinderung und Entwicklungszusammenarbeit, gut unterstützt worden.

2
Was sind deine Aufgaben am Goethe-Institut Madrid und was ist dein Freiwilligenprojekt dort?

Am Goethe-Institut unterstütze ich die Bildungskooperation Deutsch. Wir organisieren Fortbildungen für Lehrer*innen an Deutsch-Schulen in Spanien und anderen europäischen Ländern. Ich bearbeite E-Mails, Anmeldungen und helfe bei der Organisation der Workshops. Also typische Office-Tätigkeiten. Als gelernter Kaufmann kenne ich die Arbeit am PC und habe auch meine speziellen Programme, die mir die Tätigkeit erleichtern. Dass ich im vorhinein kommuniziert habe, welche Aufgaben im Goethe-Institut für mich als Mensch mit Sehbeeinträchtigung in Frage kommen, hat auch geholfen, mich auf meinen Freiwilligendienst vorzubereiten und sicherer zu starten.

Für mein Freiwilligenprojekt habe ich einen Workshop konzipiert, der Sehenden mit Hilfe spezieller Brillen zeigt, wie sich eine Sehbeeinträchtigung auf die Wahrnehmung auswirkt. Die Teilnehmenden können an verschiedenen Stationen Hilfsmittel ausprobieren, die bei vielen Menschen mit Blindheit/Seheinschränkung im Alltag dazugehören, wie ein Langstock, ein Monokular – das ist ein Handfernrohr – eine elektronische Lupe oder mein PC mit dem Vergrößerungsprogramm. Da das Spektrum an Sehbeeinträchtigungen sehr groß ist, möchte ich zu Beginn eine kleine Einführung geben und die Teilnehmenden auch für die Unterschiede sensibilisieren. Durchführen werde ich ihn wahrscheinlich im Januar und vielleicht wird der Workshop danach auch weiterhin angeboten, um Lehrer*innen weiterzubilden. Das fände ich toll.

3
Welche Rahmenbedingungen müssten gegeben sein, damit auch Menschen mit Beeinträchtigung eine gute kulturweit-Erfahrung machen können?

Ich denke eine klare Kommunikation ist wichtig, individuelle Bedarfe abklären – wird zum Beispiel eine Assistenz benötigt, wenn ja, für wie viele Stunden – und diese Unterstützung dann auch zu gewährleisten. Sich als Freiwillige*r vorher darüber Gedanken zu machen, ist unerlässlich. Es kommt natürlich immer auch auf die Einsatzstelle an, ob Stadt oder Land, Infrastruktur und so weiter. Da können kulturweit und die Einsatzstelle auch im Vorfeld schon gut mitwirken. Mit guter Vorbereitung und Unterstützung von Seiten der Organisation und allen Beteiligten kann ein Auslands-Freiwilligendienst auch mit Beeinträchtigung gut funktionieren.