Paulo Glowacki

kulturweit-Frewilliger an der UNESCO-Welterbestätte Paisaje Industrial Fray Bentos in Uruguay

Paulo Glowacki

3 Fragen an Paulo zum Freiwilligendienst während Corona

Weil ein Freiwilligendienst im Ausland aufgrund von Corona derzeit nicht möglich ist, können sich kulturweit-Freiwillige in Deutschland weiter engagieren. Wie Paulo seine Zeit nach der vorzeitigen Rückkehr aus Uruguay nutzt und wo er unterstützt, erzählt er im Interview.

Die Welterbestätte Paisaje Industrial Fray Bentos in Uruguay Die Welterbestätte Paisaje Industrial Fray Bentos in Uruguay Paulo Glowacki bei der Arbeit in seiner Einsatzstelle

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Wer bist du und wo warst du mit kulturweit?

Ich bin Paulo Glowacki, 18 Jahre alt, komme aus Hamburg und habe im September 2019 meinen Freiwilligendienst in Fray Bentos, Uruguay begonnen. Dort sollte ich eigentlich bis August 2020 an der UNESCO-Welterbestätte „Paisaje Industrial Fray Bentos mitarbeiten. Die Industrielandschaft von Fray Bentos ist eine ehemalige Fleischextraktfabrik, die unter anderem vom Chemiker Justus von Liebig, gegründet und lange geleitet wurde. Diese Fabrik war eines der ersten globalen Unternehmen in der Nahrungsmittelindustrie und stellte den weltberühmten Liebig'schen Fleischextrakt und später Corned Beef her.

Leider musste ich meine Arbeit vor Ort wegen Corona früher als geplant beenden. Ich war der erste und einzige Freiwillige an dieser Einsatzstelle. Das brachte natürlich anfangs einige Herausforderungen mit sich, hat mich aber auch unheimlich wachsen lassen. Zu meinen Aufgaben vor Ort gehörten das Übersetzen von deutschen Gründungsdokumenten ins Spanische, Führungen durch die Fabrikanlage, der Aufbau von internationalen Kooperationen sowie das Interviewen von Zeitzeugen. 

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Wo und wie engagierst du dich in Deutschland weiter?

In Deutschland engagiere ich mich nun trotzdem weiter für meine Einsatzstelle. Aus dem Homeoffice arbeite ich jeden Tag an meinen Projekten weiter und stehe dabei natürlich in engem Kontakt mit meinen Kolleg*innen in Uruguay. Zur Zeit analysiere ich mit einem anderen Kollegen das Gästebuch des Fabrikleiters zwischen 1903 und 1912. In unserer täglichen Videokonferenz konnten wir bereits einige interessante und einflussreiche Besucher*innen aus aller Welt identifizieren. Unter ihnen zum Beispiel Robert Baden-Powell, Gründer der Pfadfinderbewegung.

Ich arbeite aber auch hier in Deutschland weiter an Kooperationen mit deutschen Museen und weiteren Institutionen, zum Beispiel der BallinStadt Hamburg, einem Auswanderermuseum, mit deren Hilfe wir Arbeiter identifizieren wollen, die Europa zwischen 1870 und 1913 über Hamburg in Richtung Fray Bentos verließen, um dort ein neues Leben zu beginnen. Es ist insgesamt ein bunter Blumenstrauß an Aufgaben. Natürlich sitze ich dabei zu Hause und nicht in meinem Büro, aber es fühlt sich trotzdem so an, als ob ich noch ein bisschen dort wäre.

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Warum hast du dich dazu entschieden, dich nach deiner Rückkehr weiterhin zu engagieren?

Ich hatte das Gefühl noch nicht fertig zu sein und wollte auch nach meiner Rückkehr nach Deutschland etwas tun. Viele Dinge, die ich in Uruguay angeschoben habe, hätte ich eigentlich an meine*n Nachfolger*in übergeben. Außerdem wollte ich mir meinen Freiwilligendienst nicht von einem Virus verkürzen lassen. Dass ich aus dem Homeoffice weiter für die Welterbestätte in Uruguay tätig sein kann, wird glücklicherweise sowohl von meiner Einsatzstelle als auch von kulturweit unterstützt.

Ich glaube, dass sich Engagement insbesondere in dieser Krise nicht nur auf einen Sektor konzentrieren sollte. Ohne all die Menschen, die sich engagieren, würde unsere große Weltgesellschaft meiner Meinung nach nicht funktionieren. Deshalb will ich die Projekte, Ideen und Aufgaben, die ich in Uruguay angestoßen habe, weiter verfolgen. So habe ich die Möglichkeit auch während dieser Krise meinen kleinen Beitrag dazu zu leisten, dass es nach Corona auch noch interessante Museen, Ausstellungen und vieles mehr geben wird.