Eine bereicherndeErfahrung
Sae engagiert sich mit kulturweit ein Jahr lang an einer Schule in der Slowakei. Eine herausfordernde, aber auch bereichernde Zeit. Wie diese Erfahrung ihre Sicht auf Europa erweitert hat, erzählt sie in ihrem Bericht.
Ich habe meinen Freiwilligendienst in Nitra, Slowakei am Gymnasium Golianova absolviert.
Zunächst kam ich mit wenig Vorkenntnissen über die Slowakei und Slowak*innen ins Land, was ich im Nachhinein als sinnvoll betrachten würde, da ich dadurch keine vorgefertigte Meinung hatte und ich alles selbst erleben und einordnen konnte. Natürlich war ich aber nicht komplett frei von Vorurteilen.
Die ersten Monate in Nitra waren trotz der Herzlichkeit der Familie meines zuständigen Lehrers gewöhnungsbedürftig und nicht leicht für mich. Die neue Situation, alleine in einem fremden Land zu sein, dessen Sprache ich nicht spreche, war ziemlich überfordernd. Vor allem durch die Sprachbarriere fiel es mir schwer, Anschluss bei den Einheimischen zu finden, was mich einsam fühlen ließ. Nachdem ich in den ersten Monaten alle Lehrer*innen und Schüler*innen besser kennengelernt hatte, fühlte ich mich deutlich wohler.
In der Schule war ich für mehrere Stunden pro Tag beim Deutschunterricht dabei. Dort habe ich vor allem Präsentationen über Deutschland gehalten. In diesen Stunden haben wir auch Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Deutschland und der Slowakei festgestellt. Dabei konnte ich meine Perspektiven erweitern, da ich vorher nie den Vergleich zu Osteuropa hatte. Ich hoffe, dass ich dabei auch die Perspektiven der Schüler*innen erweitern konnte, indem ich als Deutsche über meine eigenen Erfahrungen und mein Leben in Deutschland berichtet habe.
Das Schlüpfen in die Rolle einer Assistenz-Lehrkraft war etwas ganz Neues für mich. Ich hatte es mir vorher anders vorgestellt. Die Idee, nach dem Freiwilligendienst Lehramt zu studieren, habe ich unter anderem dadurch verworfen, was ich aber gar nicht als negativ erachte. Ich konnte lernen, dass Lehrkraft sein nicht unbedingt etwas für mich ist. Trotzdem war es bereichernd, die Rolle nach meinem jahrelangen Schülerinnendasein gewechselt zu haben.
Durch das erste Zwischenseminar konnte ich Probleme an meiner Einsatzstelle lösen. An manchen Arbeitstagen war ich nämlich teilweise nur eine Stunde im Unterricht. Nach dem Seminar habe ich mich mit dem zuständigen Lehrer zusammengesetzt und konnte dieses Problem lösen.
Das zweite Seminar war ebenfalls aufschlussreich, da wir uns mit unseren Einsatzländern auseinandergesetzt haben und über unsere Erfahrungen berichten konnten. Dadurch erhielt ich einen breiteren Blickwinkel auf die Slowakei und auf andere benachbarten Länder.
Schlussendlich bin ich dankbar, dass ich diese Erfahrungen machen konnte. Die für mich zufällige Wahl des Landes in Osteuropa, fand ich besonders interessant, da die Slowakei kein Land war, in das ich vorher reisen wollte, beziehungsweise hatte ich es nie in Erwägung gezogen. Ich hatte die Möglichkeit, das erste Mal ein slawisches Land und dessen Kultur sowie die Sprache kennenzulernen, wodurch ich mich weiterentwickeln konnte. Ich persönlich finde es wichtig, verschiedene Teile Europas kennenzulernen, vor allem, wenn man wie ich aus einem Land wie Deutschland kommt. So erweitert man seine Perspektiven und versteht, dass ein kleiner Teil Europas nicht das Ganze ausmacht. Solche Begegnungen tragen gerade in schwierigen Zeiten auch entscheidend zur Bewahrung des Friedens bei, weswegen ich den Austausch als absolut wichtig empfinde. Aufgrund dessen würde ich mich jederzeit noch mal für ein FSJ bei kulturweit entscheiden.