3.Von Liebig bisLockdown
Paulo Glowacki
kulturweit-Outgoing 2019
Einsatzstelle: Industrielandschaft von Fray
Bentos, UNESCO-Welterbe
Einsatzland: Uruguay
Audio: Von Liebig bis Lockdown
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Paulo trat seinen Freiwilligendienst im September 2019 in Uruguay an. Dort sollte er eigentlich ein Jahr lang in der Industrielandschaft von Fray Bentos, einer UNESCO-Welterbestätte, mitarbeiten. Im Frühjahr 2020 beendete die Corona-Pandemie Paulos Freiwilligendienst schlagartig. Er verließ Uruguay mit einem der letzten Flüge.
Paulo Glowacki:
"Zum 2019 war ich der erste Freiwillige an der UNESCO-Welterbstätte Fray Bentos, einer Fabrikanlage in Uruguay. Das brachte anfangs einige Herausforderungen mit sich, hat mich aber auch unheimlich wachsen lassen. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde in Fray Bentos im großen Stil konzentrierter Fleischextrakt hergestellt, eine Erfindung des deutschen Chemikers Justus von Liebig. Die Fabrik war eines der ersten globalen Unternehmen der Nahrungsmittelindustrie. Zu meinen Aufgaben vor Ort gehörten das Übersetzen von deutschen Gründungsdokumenten ins Spanische, Besucherführungen durch die Fabrikanlage, der Aufbau von internationalen Kooperationen sowie das Interviewen von Zeitzeugen – und dann kam Corona. Im März 2020 informierte kulturweit alle Freiwilligen, dass ihr Dienst aufgrund der weltweiten Covid-19-Pandemie vorzeitig beendet wird und wir sobald wie möglich nach Deutschland zurückkehren müssen. Die Nachricht traf mich und meine Freunde in Uruguay wie ein Schlag. Gemeinsam mit meinen Eltern begann ich nach einem Rückflug zu suchen. Das war zunächst vergebliche Mühe, Callcenter und Websites der Airlines waren überlastet. Ich saß also fest, was ich zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht so schlimm fand. Nach zehn Tagen, unzähligen Telefonaten und Gesprächen mit meinen Eltern, der Botschaft und kulturweit gelangte ich schließlich, an ein Flugticket. Ende März hob ich mit einer der letzten regulären Maschinen von Montevideo ab und kam über São Paulo nach Frankfurt. Die Stimmung war gespenstisch, die Flughäfen und Bahnhöfe verwaist. Aber ich hatte es geschafft. In Deutschland engagierte ich mich weiter für meine Einsatzstelle. Aus dem Homeoffice brachte ich meinen Freiwilligendienst zu Ende und konnte so den Kontakt zu meiner Einsatzstelle täglich aufrechterhalten.
Ohne all die Menschen, die sich engagieren, würde unsere große Weltgesellschaft meiner Meinung nach nicht funktionieren. Deshalb wollte ich die Projekte, Ideen und Aufgaben, die ich in Uruguay angestoßen habe, weiterverfolgen. So hatte ich die Möglichkeit auch während dieser Krise meinen kleinen Beitrag dazu zu leisten, dass es nach Corona auch noch interessante Museen, Ausstellungen und vieles mehr geben wird.
Ich hatte bisher mehrmals, dank wunderbarer internationaler Programme, die Möglichkeit, für längere Zeit im Ausland zu leben. Dafür bin ich unglaublich dankbar. Programme wie kulturweit verändern nachhaltig Leben, Weltsichten und Persönlichkeiten und damit auch unsere Gesellschaft. Ich denke, das ist nicht übertrieben, denn immer mehr Menschen verbringen Teile ihres Lebens im Ausland und kehren wieder zurück. Sie verändern mit ihrem Handeln, ihrer Weltsicht, ihren Ideen und der Weitergabe dieser die Gesellschaft hin zu einer weltoffeneren, toleranteren, inklusiveren, und reflektierten Gesellschaft."
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