14.DieTalent-Show
Raphael Fröhlich
kulturweit-Outgoing 2023
Einsatzstelle: Goethe-Institut Windhoek
Einsatzland: Namibia
Audio: Die Talent-Show
Audio: Die Talent-Show
Raphael erhielt während seiner Zeit am Goethe-Institut Windhoek spannende Einblicke in die Kulturarbeit und setzte ein eigenes Projekt mit Schüler*innen verschiedener Schulen um. Dabei wurden ihm sowohl die Herausforderungen als auch die Bedeutung von Mitbestimmung deutlich.
Raphael Fröhlich:
"Im Rahmen meiner Tätigkeit am Goethe-Institut initiierte ich ein Kooperationsprojekt mit Schülervertretungen verschiedener Schulen aus Windhoek. Den Impuls für das Projekt – Arbeitstitel: SV-Partizipationsinitiative – hatte ich Anfang des Jahres. Weil ich mich während meiner Schulzeit auch in der SV engagierte, war mir Beteiligung schon immer ein wichtiges Anliegen. Ich leitete zudem ein Schüler*innen-Netzwerk auf Landesebene in Baden-Württemberg, besuchte zahlreiche Schulen persönlich und machte gegenüber Schulleitungen und den führenden politischen Verantwortlichen klar: Mitbestimmung ist unersetzbar.
Die sechs Schulen, die an meiner Initiative beteiligt sind, sind über ganz Windhoek verteilt. Meistens befinden sich diese Schüler*innen bereits in der High-School oder dem College, das heißt, es handelt sich um Jugendliche im Alter von etwa 15 bis 17 Jahren. Jede Schule entsandte mindestens zwei Repräsentant*innen. Von Privatschulen bis zu staatlichen Schulen ist eine gewisse Vielfalt abgebildet. Das Projekt sollte zeigen, was Beteiligung bewirken kann. Die zehn beteiligten Schüler*innen konnten dabei selbst entscheiden, welches Projekt sie organisieren wollten und stimmten für eine Talent-Show.
Manchmal sind die Diskussionen bei den Treffen hitzig, oft werden inhaltliche Schwerpunkte verhandelt, fast immer jedoch enden die Diskussionen in einem Kompromiss, den ich mir notiere. Pro Schule durften bis zu acht Schüler*innen ihre Talente in Tanz, Gesang oder Poesie präsentieren. Während der vielen Sitzungen lernte ich unterschiedliche Lebensrealitäten von Schüler*innen in Namibia kennen und erkannte, dass Mitbestimmung ein langwieriger und keineswegs trivialer Prozess ist. Er erfordert viel Kraft, Zeit und Ausdauer. Doch die Schüler*innen des Projektteams knüpften dabei wertvolle Freundschaften über Schulgrenzen hinweg. Sie lernten zu improvisieren und sich für das einzusetzen, was ihnen wichtig ist – kurz: Demokratie zu gestalten.
Am Tag der Talent-Show platzte die Sporthalle regelrecht aus allen Nähten. Die Stimmung war elektrisierend. Im Hintergrund wuselten junge Menschen, verkauften Snacks und Tickets. Die künstlerische Leiterin des namibischen Nationaltheaters, der Ausstellungskurator der Nationalgalerie Namibias und eine weitere Expertin bewerteten die verschiedenen Auftritte. Probleme, wie nicht auftauchende Performer*innen, oder Eigendynamiken der Besuchermenge waren neue Herausforderungen, für die schnelle Lösungen gefunden werden mussten. Am Ende waren jedoch alle glücklich: es konnten mehrere hundert Euro an das Jugendorchester YONA gespendet werden und die Schüler*innen waren erleichtert, dass sie während der Veranstaltung improvisieren, Probleme lösen und hunderten Besucher*innen einen unterhaltsamen Abend bieten konnten."
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