Axel Waldbach wird die die nächsten sechs Monate in GuangZhou, der Hauptstadt des südchinesischen Kantons GuangDong verbringen. Für den »kulturweit«-Newsletter berichtet er über seine ersten Erlebnisse beim DAAD in den Subtropen.
„Abenteurer, Botschafter“ –Axel Waldbach in GuangZhou

- Axel Waldbach und seinen neuen Kolleginnen vor dem Büro des DAAD in GuangZhou
„Abenteurer, Entdecker, Botschafter“: Nicht selten wurden wir auf dem Vorbereitungsseminar mit diesen Beschreibungen konfrontiert. Zurück zu Hause fragte ich mich, was man für eine Region einpackt, in der es momentan 35°C sind, jederzeit ein Taifun ausbrechen kann und man im Winter trotzdem froh über jeden Heizlüfter ist?
Obwohl ich getreu dem Motto „Man kann weniger vergessen, als man dort nachkaufen kann“ packte, stellte sich heraus, dass der Koffer deutliches Übergewicht hatte. Nach einem schnellen Umpacken, einer tränenreichen Verabschiedung von meiner Familie und penibler Durchleuchtung durch das Sicherheitspersonal sprang ich pünktlich zum letzten Aufruf für meinen Flug in den Flieger. Und plötzlich wurde all das greifbare Realität, auf was wir uns seit mehr als einem halben Jahr vorbereitet hatten.
Während ich noch meinen Koffer vom Gepäckband im neuen GuangZhou Airport fischte, klingelte mein Handy und eine weibliche Stimme fragte, ob ich gut angekommen sei. Hinter dem Sicherheitstor kam die Besitzerin der Stimme, eine chinesische Germanistikstudentin und ihre Kommilitonin, lächelnd mit einem großen Schild mit meinem Namen in der Hand auf mich zu.
Vor der klimatisierten Flughafenhalle schlug mir erstmal die feuchte Hitze wie ein nasses Handtuch ins Gesicht. Meine beiden Begleiterinnen kommentierten allerdings, dass ich Glück hätte, da es schon geregnet habe und es daher recht kühl sei. Während der Taxifahrt zum Campushotel und dem anschließenden Abendessen bot sich mir die erste Gelegenheit, mein Zuhause für die nächsten sechs Monate zu betrachten. Die Hitze und Luftfeuchtigkeit konnte ich später dank der Klimaanlage in meinem Zimmer erfolgreich bekämpfen –nach einigem Herumprobieren mit der Fernbedienung, die nur mit chinesische Schriftzeichen beschriftet ist.
Inzwischen hatte ich natürlich mehr Möglichkeiten, GuangZhou, die Hauptstadt des Kantons GuangDong, kennen zu lernen. Wer hier eine Wohnung sucht, sollte schwindelfrei sein: Bis ins 38. Stockwerk haben wir Wohnungen besichtigt, doch das Rennen hat dann doch eine kleine Zwei-Etagen-Wohnung im 3. Stock in der Nähe des DAAD Büros gemacht.
Im DAAD Informationszentrum, meiner Einsatzstelle, haben mich meine „Chefin“ und ihre beiden Kolleginnen bereits in ihre Arbeit eingeführt und mir meine zukünftigen Aufgabenfelder skizziert. Im Büro herrscht ein sehr freundliches Klima und alle sind äußerst hilfsbereit. Durch die Arbeit habe ich inzwischen auch einige sehr nette Master-GermanistikstudentInnen kennen gelernt und alle haben gerne an mir ihre Deutschkenntnisse erprobt, sei es bei der Orientierung im (für deutsche Verhältnisse) riesigen Einkaufszentrum, bei der Wohnungssuche oder bei der Einführung in die kantonesische Küche.
Langsam finde ich mich im Gelände um den Uni Campus zurecht und auch die pfeifenden Verkehrspolizisten und hupenden Kleinlaster jagen mir nicht mehr den gleichen Schrecken ein wie anfangs. Zum Ende meines Freiwilligendienstes wird all dies für mich ein Stück Normalität geworden sein.
Ist es verrückt, ohne ein Wort Mandarin (oder die regionale Sprache GuangDong Hua –Kantonesich) zu sprechen für ein halbes Jahr nach Südchina zu gehen, wo fast niemand Englisch spricht und man auch als Vegetarier sein Gemüse selbstverständlich mit Fleisch garniert bekommt? Ein bisschen schon, aber wie nannte man uns noch gleich? „Abenteurer, ...“.
Axel Waldbach
DAAD IC Guangzhou



