Ein Jahr in Bulgarien

Im September 2009 reiste Luisa Menne mit der ersten Generation »kulturweit«-Freiwilliger an ihre Einsatzstelle in Bulgarien. Nun neigt sich ihr Freiwilliges Soziales Jahr langsam dem Ende zu und sie blickt zurück auf eine Zeit mit ‚ihrer 2. Klasse’ zwischen Lego-AG, Schwimmunterricht, Unterrichtsassistenz, Vitoshagebirge und Schwarzem Meer.

 

Mein Jahr in Bulgarien

Luisa Menne mit "ihrer" Klasse 2a an der Deutschen Schule Sofia

Mein Wecker klingelt. Ich blinzle in die bulgarische Frühsommersonne und stelle plötzlich fest: Es ist ja schon Juni!

Außerdem ist es schon wieder nach 7 und schnell steige ich in meine Schlappen, schlurfe in die Nachbarwohnung (das „Mediencenter“  der Deutschen Schule) und beeile mich mit der warmen Dusche, bevor süßes Schülergebrüll im Gebäude erklingt. Manchmal ist es schon ein bisschen skurril, aber meistens doch ungeheuer praktisch und lustig mitten in der Schule zu wohnen. Meinen Weg zur Arbeit schaffe ich in zwei Sekunden bis einer halben Minute.

Der anschwellende Lärmpegel vor meiner Wohnungstür – das Klassenzimmer der Siebenten liegt genau gegenüber – zeigt mir an, dass es an der Zeit ist, mein Domizil zu verlassen und mich meinen alltäglichen Aufgaben zu widmen. Ein Unterrichtstag an der Deutschen Schule Sofia, die als Deutsch-Bulgarische Begegnungsschule erst vor knapp zwei Jahren auf dem Gelände der Deutschen Botschaft gegründet wurde,  dauert volle acht Stunden.

Die fülle ich unter anderem mit Assistenz in der Vorschule, Hausaufgabenbetreuung und Bibliotheksstunde in „meiner“ Klasse 2a, Inventarisierung (so was muss ja auch gemacht werden),  Unterstützung von Unterrichtsprojekten, Schwimmbegleitung (wo ich selbst auch mit ins Wasser darf) und der Leitung meiner wirklich ziemlich coolen Lego-AG.

Durch anfängliches Hospitieren in allen Klassen und mit Hilfe meiner wunderbaren Kolleginnen und Kollegen, die mich von Anfang an überall herzlich und selbstverständlich aufgenommen haben, konnte ich mich schnell orientieren und bin mit der Zeit einfach in den Schulalltag hineingewachsen.

Ein Festwachsen in den Gewohnheiten des Alltags wird bei mir, aber auch bei den Kindern und Lehrerinnen und Lehrern ganz automatisch verhindert, denn spannende Ausflüge, Feste und Projektwochen halten alle fröhlich auf Trab: Im Winter habe ich zusammen mit den ersten und zweiten Klassen in dem Sofia traumhaft umrahmenden Vitoshagebirge Skifahren gelernt.

Jetzt im Juni wollen wir ebendort wandern und nach der eigentlichen Schulzeit werden wir noch auf die „blaue Woche“ fahren, für neun Tage ans Schwarze Meer.

Lehrerin werde ich wohl nicht werden, aber mein Dienst an der Schule und das Leben in Bulgarien haben mir gezeigt: Bestimmt werde ich beruflich mit Kindern zu tun haben und niemals, da bin ich mir sicher, wird mir die Lust vergehen, zu reisen und zu entdecken – schon jetzt habe ich das erstmögliche Auslandssemester im Blick.

Nur eines hoffe ich: Dass ich mir künftig nicht mehr derart früh den Wecker stellen muss.

Luisa Menne

 

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