194 Freiwillige vernetzen sich dank „Suche\Biete“-Wand
Man mische 194 engagierte, junge Menschen, füge ein gemeinsames Ziel, die Möglichkeit sich zu vernetzen und ein wenig Freiraum hinzu, lasse das Ganze zehn Tage ziehen – und fertig ist das Geheimrezept für ein gelungenes Vorbereitungsseminar, auf dem nicht nur zahlreiche Projekte sondern vor allem auch Freundschaften entstehen. Ein Bericht von Anna Ihl, »kulturweit«-Freiwillige in Santiago, Chile.

- Zusammenwachsen in der Homezone
Ein typischer Tag für Freiwillige
7.30 Uhr. Der Wecker klingelt. Verschlafen schauen sich drei »kulturweit«- Freiwillige an. Sie teilen sich während des zehntägigen Vorbereitungsseminars auf ihren Auslandsaufenthalt ein Zimmer in der Europäischen Jugenderholungs- und Begegnungsstätte am Werbellinsee bei Berlin. Schnell klären sie, wer zuerst duschen darf, die anderen beiden sinken dankbar in ihre Betten zurück und wappnen sich für den Tag.
Denn für den braucht es Kraft: Nach einem hastigen Frühstück geht es in die Homezones – feste Kleingruppen, in denen sich die Freiwilligen während des Seminars immer wieder treffen und gemeinsam mit einer Trainerin oder einem Trainer Themen wie Konfliktmanagement, Interkulturelle Kommunikation oder Kultur spielerisch erarbeiten. Neben den Homezones stehen Vorträge, Workshops oder Treffen in Regionengruppen an.

- Die „Suche/Biete“-Wand
Die „Suche/Biete“-Wand
Doch das ist nicht alles. Am ersten Tag ins Leben gerufen, ist die „Suche/Biete“-Wand schnell zur wahren Bestimmerin des Tagesablaufes avanciert. Alle Freiwilligen können an diese Wand ihre Belange schreiben, Workshops anbieten, Sport- und Spielgenossen oder Schokolade suchen. Über Nacht sprießen unzählige Arbeitsgruppen aus dem Boden: Es entstehen ein Chor, ein Lauftreff, Türkisch-, Russisch-, Spanischkurse, Menschenpyramiden, Flashmobs, es gibt Slacklinen für Anfänger, Frisbee für Fortgeschrittene, Impro-Theater… die Liste ist endlos.

- Austausch über die einzelnen Projekte im "Projectbook"
Projektvielfalt von früh bis spät
Schnell hängen alle in zwei oder drei Projekten drin, mit Herzblut, versteht sich. Gleichzeitig realisieren die Freiwilligen noch Projekte in ihren Homezones, drehen Filme, erstellen eine Foto-Installation, kochen oder planen eine Schnitzeljagd.
Eine Idee ist kreativer als die andere und obwohl das Programm ohnehin schon taff ist, die Stimmung bleibt hervorragend: Ob in der Homzeone, beim Mittagessen oder bei nächtlichen Sprüngen in den Werbellinsee, überall lächeln sich die Freiwilligen an, halten einander die Türen auf oder versorgen sich gegenseitig mit Halsschmerztabletten, Kaffee oder Bier – je nach Gusto.

- Musik beim Kulturabend
Der Kulturabend als Highlight
Das einzige, das auf der Strecke bleibt, ist die Gesundheit des ein oder anderen Freiwilligen – das ist vermutlich aber weniger dem positiven Stress, als vielmehr dem nassen und kalten Wetter geschuldet. Doch Erkältung hin oder her, alle powern weiter – und werden dafür beim so genannten Kulturabend mehr als belohnt. An diesem Abend stellen die meisten ihre Projekte vor, singen, tanzen, schauspielern oder präsentieren etwa eine Foto-Love-Story. Die Stimmung ist fantastisch und mit jeder Darbietung fällt ein bisschen mehr Anspannung von den Freiwilligen ab. Kleine Fehler verzeiht das Publikum sofort und vergisst jemand Einsatz, Ton oder Text feuern die Zuschauer ihn erst recht an. Nach gut einer Woche sind knapp 200 Fremde zu einer Gruppe zusammengewachsen.

- »kulturweit«-Freiwillige - weltweit
Freundschaften und ein Gefühl von Sicherheit
Umso schwerer fällt der Abschied ein paar Tage später. Nach zehn so intensiv durchlebten Tagen mit einem Flashmob vor dem Brandenburger Tor, Auftritten, Spielen und Party verbindet die Freiwilligen mehr als nur das gemeinsame Ziel, mit »kulturweit« ins Ausland zu gehen und eventuell die Ungewissheit, die damit verbunden ist. Es sind Freundschaften entstanden. Und unabhängig davon, wie gut oder schlecht einen Spiele auf die tatsächlichen Erfahrungen vorbereiten, die man im Ausland machen wird – eines nehmen alle Freiwilligen aus dem Vorbereitungsseminar mit: Die Sicherheit, dass man in einer neuen Umgebung zwischen lauter Fremden gut zurechtkommen und Freundinnen und Freunde finden kann.


