„weltweit lecker“ – ein köstliches »kulturweit«-Projekt
Wir sind die erste Generation von »kulturweit«-Freiwilligen, die während ihres Aufenthalts im Gastland ein Projekt planen und durchführen. Ich finde es toll, dass wir Freiwilligen durch „weltweit lecker“ gemeinsam etwas auf die Beine stellen und auch während unserer Zeit in den Gastländern in Kontakt stehen. Vielleicht entsteht durch den Kontakt zwischen den ausgelosten Kochpartnern sogar ein regelmäßiger Austausch über die eigenen Erlebnisse.
Ein Bericht von Caroline Stelzer, »kulturweit«-Freiwillige am Gymnasium Nummer 6 in Nowosibirsk, Russland.

- Roman der Blini-Experte
Ess-Tradition und Koch-Genuss im Deutschunterricht
Roman steht am Herd und hat die Pfanne fest in der Hand. Seine Augen sind fest auf den Teig gerichtet, der zischend immer brauner wird. Seine Mitschüler aus der Klasse 8 i des Gymnasiums „Hermelin“ in Nowosibirsk, Russland schauen gespannt zu und warten auf den richtigen Moment, als er endlich die Pfanne vom Herd nimmt, den russischen Pfannkuchen hoch in die Luft wirft uuund – gekonnt wieder auffängt. Alle applaudieren beeindruckt.
Weltweit - Gekocht - Gefilmt - Gelost - Geteilt - Lecker
Alle »kulturweit«-Freiwilligen, die gerne kochen und dies gerne gemeinsam mit Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen aus ihrem Gastland ausprobieren möchten, waren eingeladen, gemeinsam ein landestypisches Gericht zu kochen. Die verwendeten Rezepte, Fotos sowie Erläuterungen, in denen die Kochenden, das Land und seine Ess-Kultur vorgestellt wurden, habe ich gesammelt. Gemeinsam mit einer Schülerin meines Gymnasiums habe ich alle Texte, Bilder und Rezepte zu einem großen “weltweit lecker”-Rezeptbuch zusammen gestellt. Diese Rezepte werden jetzt von ausgelosten »kulturweit«-Kochpartnern in anderen Ländern nachgekocht. Die transnationalen Kochteams wurden hier in Nowosibirsk in einer feierlichen Auslosungsshow festgelegt. Weil es uns viel zu langweilig war, nur eine Liste der Partner als Mail zu verschicken, haben wir das Ganze gefilmt und hochgeladen.
Projekttag in Nowosibirsk ein voller Erfolg

- Russische Esskultur kennenlernen
Unser eigenes Gericht, die Blinis, haben wir auch schon zubereitet. Dieser Projekttag war, nicht nur dank Romans artistischer Künste, ein voller Erfolg. Schürzen und Kopftücher wurden von zu Hause mitgebracht. Die Aufgaben waren schnell verteilt: Teig rühren, Äpfel schneiden, vorbereitete Blinis mit dem süßen, körnigen russischen Quark oder Äpfeln füllen und backen. Süße russische Blinis isst man entweder einfach mit Butter, mit Quark, mit Marmelade oder natürlich mit Sguschjönka, der gezuckerten Kondensmilch. Zwei Schüler dokumentierten als "Paparazzis" das fleißige Treiben. Unterstützt wurden wir von unserer Technologielehrerin und meiner Mentorin, die auch einen Film über die Aktivitäten erstellen wird.
Gemeinsam Kochen und dabei Deutsch lernen

- Caroline liebt süße Blinis
Die Idee zu diesem „interkulturellen Kochprojekt“ kam mir, als ich mich nach meiner Ankunft einige Tage durch die Leckereien der russischen Küche gefuttert hatte. Ich wollte mit meinen Schülern kochen. Gleichzeitig fragte ich mich, was die anderen »kulturweit«-Freiwilligen in Mexico, China oder Chile wohl gerade essen würden. Aus diesen Überlegungen und meiner Eigenschaft als Naschkatze, entstand ein Projektkonzept.
Ein Ziel ist es, Deutsch anders zu lernen als im klassischen Deutschunterricht: Mit viel Spaß und in einer anderen Umgebung. Dabei setzten sich die »kulturweit«-Freiwilligen gemeinsam mit ihren Schülern mit den Essgewohnheiten und der Kultur ihres Gastlandes auseinander. Beim Kochen des »kulturweit«-Partnergerichtes in der zweiten Phase von „weltweit lecker“ lernen sie gemeinsam auch noch etwas über ein anderes Land und dort zu findende kulinarische Vorlieben. So können die Schüler die Sprache direkt einsetzten.
34 Köche aus 22 Ländern in allen »kulturweit«-Kontinenten - eine Sprache

- Kochteam aus Nowosibirsk
Bei den anderen Freiwilligen läuft das Projekt gerade an oder wurde, wie in der Mongolei, Sankt Petersburg oder Phnom Penh, auch schon teilweise durchgeführt. Die Rückmeldungen sind positiv. Alle sind begeistert von der Idee und kochen mit Leidenschaft. Mal sehen, ob sie das Partnergericht auch so gut hinkriegen wie das aus ihrem eigenen Land. Ansonsten ist es jedem Freiwilligen selbst überlassen was mit dem Rezeptbuch geschieht. Man kann noch mehr Rezepte aus verschiedenen Ländern nachkochen, es als Broschüre drucken oder Unterrichtseinheiten zu anderen Ländern und deren Esskulturen damit vorbereiten. Eine weitere Möglichkeit wäre auch, einen Kochwettbewerb unter den Schülern zu veranstalten. Es gibt viel Raum für Ideen und Fantasie.


