Vorbereitungsseminar

September 2009. In den ersten beiden Septemberwochen haben sich alle »kulturweit«-Freiwilligen gemeinsam auf ihren Einsatz vorbereitet. Daniel Krauße, Freiwilliger an der Deutschsprachigen Schule Bangkok, berichtet über das Vorbereitungsseminar.

 

Das Vorbereitungsseminar

Freiwillige bei dem Vorbereitungsseminar

Wahrscheinlich hätte ich etwa 200 nette Leute weniger in meinem Leben gesehen, vielleicht mit 100 weniger gesprochen und mein Freundeskreis wäre um etwa 20 Menschen ärmer – hätte es das Vorbereitungsseminar in der Europäische Jugenderholungs- und Begegnungsstätte (EJB) am Werbellinsee bei Berlin nicht gegeben.

Am 31. August trafen erstmals alle 194 Freiwilligen zusammen. Bis zu diesem Tag kannten auch die Organisatoren von »kulturweit«unsere Gesichter nicht. In den folgenden Tagen sollten wir unsere Entsendeorganisation, sehr erfahrene Trainer und natürlich das gesamte »kulturweit«-Team kennen lernen.

Ziel des Seminars war es, uns auf die verschiedenen positiven und schwierigen Situationen und Aufgaben in den Gastländern vorzubereiten. Hierzu besuchten wir zahlreiche Workshops zu Themen wie „Soziale Bewegungen weltweit“ oder „How to write about …?“. Programmpunkte wie „Konfliktmanagement“, „Interkulturelles Lernen“ oder „Anti-Bias“, also das Abbauen von Vorurteilen, wurden nicht wie im Schulunterricht, sondern in lockeren Runden besprochen. Teilweise erarbeiteten wir die Themen auch in spielerischer Form, wie z.B. das Lösen von Konflikten in einem Forumtheater, bei dem der Zuschauer einen Schauspieler ersetzen kann, wenn er dessen Handlung nicht angemessen fand. Dadurch wurden zahlreiche Konfliktsituationen, in die man als Freiwilliger im Gastland geraten könnte, durchgespielt.

Trotz oder gerade wegen dieser unkonventionellen Methoden habe ich viel aus diesen Bereichen lernen und mitnehmen können. Natürlich wurden wir auch speziell auf die Einsatzgebiete und ‑länder vorbereitet. So gab es beispielsweise eine Asiengruppe, in der mich die Trainer hervorragend auf interkulturelle Begegnungen in Thailand vorbereiteten. So lernte ich, dass die Thais nicht nein sagen können, selbst wenn sie die Antwort nicht wissen. Überhaupt seien die Menschen in Thailand überaus freundlich. Diese Freundlichkeit kann ich schon nach einer Woche bestätigen.

Daniel Krauße bei der Kinderbetreung in Bangkok

Da sich die meisten Freiwilligen bereits mit ihrem Land auseinander gesetzt hatten, ergaben sich rege Diskussionen zum Thema Sicherheit. Es wurde geklärt, wie man mit Korruption, politischen Unruhen und Krankheiten in Südostasien umzugehen hat. An einem so genannten Jobtag erhielt ich hauptsächlich auf die Lehrertätigkeit zugeschnittene Informationen. Die Abende waren meist mit Filmen, von anderen Freiwilligen oder Trainern angebotenen Aktivitäten oder auch mal mit Gitarren-Musik gespickt. Die Teilnahme an diesen Angeboten war freiwillig und natürlich konnte sich jeder auch Zeit für eigene Tätigkeiten nehmen.

Ein sehr positiver Aspekt, ohne den ich das Seminar wahrscheinlich gar nicht so angenehm empfunden hätte, war die Vermischung der Freiwilligen untereinander. Die Hausaufteilung geschah nach Familiennamen, in die abendlichen Reflexionsgruppen wurden wir nach dem Zufallsprinzip eingeteilt und die Workshops konnten frei nach Interesse gewählt werden. So traf ich immer wieder Menschen, die ich vorher noch nie gesehen hatte und mit denen ich schnell in Kontakt kam. Gleichzeitig schloss ich bei den Regionentagen viele Freundschaften mit Leuten, die in dasselbe Einsatzgebiet gehen wie ich.

Das i-Tüpfelchen war natürlich der Besuch im Auswärtigen Amt, wo wir von Staatsminister Erler empfangen wurden und anschließend die Gelegenheit bekamen, mit den jeweiligen Botschaftern unseres Ziellandes zu sprechen. Man merkte, dass hinter dem Programm »kulturweit« eine Menge Arbeit, Mühe, aber auch Interesse steckt.

Alles in allem: Eine bessere Vorbereitung auf das Auslandsjahr hätte es wohl kaum geben können! Ich wünsche allen zukünftigen Freiwilligen die gleiche Erfahrung und ich freue mich schon auf das Nachbereitungsseminar.

Daniel Krauße

Deutschsprachige Schule Bangkok

 

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